Naher Osten 1999
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Diesel-Einfuhrsteuer |
100,- US-Dollar |
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Triptik-Gebühr |
10,- US-Dollar |
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Versicherung |
69,- US-Dollar |
Wir beginnen zu verhandeln... "Small car, no truck - stay only 7 days in Syria...". Schließlich einigen wir uns darauf, anstatt die Dieselsteuer zu reduzieren nur 30 Dollar insurance zu zahlen. Macht insgesamt also 139,- US-Dollar, die wir, zusammen mit etwas privaten Geld, Cash wechseln. Das Theater beginnt, als der zuständige Beamte, der uns die Versicherung ausstellen sollte, die 30 Dollar nicht akzeptieren will. Ich verweise an den custom-officer. Zwischen beiden Beamten entwickelt sich eine heftige Diskussion, was schließlich damit endet, dass wir uns alle im Büro des Zollchefs wiederfinden. Die Diskussion geht weiter und erst als ich einwende kein Bargeld mehr zu haben, sondern nur Travellerschecks (die die Bank nicht tauschen kann!), entläßt er uns zum Spartarif. Der Zollbeamte der die abschließende Kontrolle vornehmen soll schläft bereits und wir müssen ihn wecken. Er schlägt vor, hier zu übernachten und morgen früh weiterzufahren, was wir dankend annehmen.
Gegen
7.30 Uhr/23°C passieren wir die Grenzkontrolle, nicht ohne noch einmal
eindringlich darauf verwiesen zu werden, dass unsere Fahrerlaubnis für
maximal 7 Tage, die Versicherung aber 4 Wochen gilt. Bei Überschreitung
drohen erneut 100,- US-Dollar Strafe! Nett, oder? Es ist nicht ganz einfach
den Weg zum Simeonskloster Qal'at Seman und der Säulenkathedrale
Kharab Shems in der näheren Umgebung von Aleppo zu finden, da die
nur arabische Ausschilderung uns Probleme macht. Unterwegs winken uns
freundliche Bauern zu, die gerade ihre Weizenernte einbringen und noch
auf dem Feld dreschen. Am Simeonskloster treffen wir auf eine englische
Reisegruppe von "British Overland", unterwegs nach Katmandu.
Auf
dem Weg nach Aleppo begegnen uns abenteuerlich vollbepackte Lkws. In
Aleppo verbringen wir die Nacht unmittelbar vorm Tourist Office mit Aussicht
auf einem kleinen Park. Von hier erkunden wir die Stadt. Unser erster
Stadbummel führt uns in den Stadtpark, wo 3 blonde Frauen in Jeans
und ohne Kopftuch die Attraktion sind. Am Postamt kaufen wir von einem
kleinen Jungen Postkarten, der der Multiplikation noch nicht mächtig
war, so dass es eine Weile dauerte bis er 12 Karten á 6 L.P. addiert
hatte.
Vormittags besuchen wir die Souks in Aleppo, die Zitadelle und den Markt. Neben dem Souk, in dem man die Dinge des täglichen Bedarf kaufen kann, gibt es einen speziellen Touri-Souk (Teppiche, Schmuck, etc.). Im Gegensatz zu den Souks in Fes, Marrakesch oder Kairo werden wir nicht penetrant von Händlern belagert, sondern stets freundlich angesprochen und unser "Nein, Danke" wird akzeptiert. Mittags kehren wir in ein kleines Lokal gleich neben dem Markt ein, wo auch syrische Familien ihren Marktbummel beenden. Es gibt Coca Cola, Felafel, Shis Kabab, Fladenbrot und Salat.
Nachmittags
(32,5°C) sind wir auf dem Weg nach Hama, wo wir uns die Norias ansehen
wollen. Die bis zu 20 m hohen Wasserschöpfräder Hamas dienten
früher der Wasserversorgung. Wir übernachten auf einem Parkplatz
gleich hinterm municipal pool, neben ner Art Sportplatz. Theo schwingt
sich in seine Badehose (Frauenbadetag ist Sonntags und Donnerstags ab
17.00Uhr) und hinein ins kühle Naß. Etwas befremdlich
wirken die händchenhaltenden Männer auf ihn. Nach und nach trudeln
Busse oder Eltern ein, um ihre Söhnemänner vom Basketballtraining
oder Tae Kwan-Do abzuholen. Gerade kommt der Coffeshopbesitzer und bringt
uns einen Mokka - "You're welcome!". Mittlerweile ist es schon dunkel
und wir sitzen bei einem Glas Bier im Restaurant direkt an den 4-Norias,
die sich knatternd und ächzend drehen. Frösche quaken und Wasserschlangen
schlängeln sich durch den Orontes.
Heute Morgen noch mal Fototermin eingelegt an den großen Norias vorm Cham-Palace Hotel. Nachmittags fahren wir durchs Gebirge (kühle 22,5°C) über Baniyas Richtung Tartus. Da alle Strandabschnitte Richtung Tartus total vermüllt und wenig einladend sind, landen wir schließlich im öffentlichen Bad von Tartus (33,5°C), das direkt am Strand liegt.
Die
restlichen km bis zum Craq des Chevaliers sind schnell abgespult. Beim
Restaurant "La table ronde", zu dem eine sehr steile Auffahrt führt,
finden wir einen schönen Stellplatz mit super Ausblick über
die weite, terrassierte Landschaft.
Schon seit Stunden lümmeln wir im Womo rum, da es draußen grummelt, gewittert und regnet (17,5°C). Die Burg liegt in den Wolken, die Ebene im Dunst. Dann endlich bricht die Sonne durch und wir starten unseren Eroberungszug der Burganlage. In einem der Wehrtürme dreht das syrische Fernsehen gerade einen Film und wir dürfen einen Blick aufs Set werfen, wo orientalisch gekleidete Schönheiten umherwuseln. Es ist bereits später Nachmittag und die Sonne sticht wieder vom Himmel, als wir uns Richtung syrische Wüste nach Tadmor/Palmyra aufmachen.
Wir
ergattern ein schattiges Plätzchen auf dem Parkplatz des Zenobia-Hotels,
wo wir die Nacht verbringen. Von der Terrasse des Hotels hat man, bei
einer Tasse Kaffee, einen wundervollen Blick über die Ruinenfelder.
Kurz bevor die Dämmerung einsetzt beschließen wir noch zum
castel hochzufahren, um von dort den Sonnenuntergang über Palmyra
zu genießen. Zurück am Zenobia-Hotel haben wir inzwischen Gesellschaft
bekommen. Suse und Micha aus Neustadt mit ihrem R4, die über Tunesien,
Lybien, Ägypten (schrecklich!), Jordanien zu uns gefunden haben und
Werner aus Belgien in einem Bedford, der gerade aus Oman zurückgekommen
ist. Wir verbringen einen angenehmen red- und weinseligen Abend miteinander.
Heute
früh erfüllen wir den Kindern ihren sehnlichsten Wunsch, mit
dem sie uns schon seit Marokko in den Ohren liegen - einen Kamelritt -
eine halbe Stunde geht's durchs Ruinenfeld von Palmyra. Viel länger
halten wir es in der rasch zunehmenden Vormittagshitze auch nicht aus.
Fluchtartig ziehen wir uns unter das schattenspendende Schilfmattendach
am Camping zurück, wo wir den Nachmittag mit Suse und Micha verbringen.
Im Verlauf unserer Unterhaltung stellen wir fest, dass am Grenzübergang
Bab al-Hawa nicht Freitag, sondern Donnerstag als Einreisedatum abgestempelt
worden ist - Pappnasen! Schweren Herzens beschließen wir aufzubrechen
und verabschieden uns von den anderen. Auf frischem Asphalt prescht Theo
mit 110 km/h, mehr gibt der Mazout nicht her, Richtung Damaskus. Es wird
bereits dunkel, als wir nach einigem Suchen gegen 22.30Uhr
und immer noch 29°C endlich den (teuren) Campingplatz finden.
Die
Nacht war nicht so berauschend, bis spät in die Nacht dröhnte
laute Discomusik zu uns herüber. Barbara düst frühmorgens
gleich zum Platzwächter: "I d'ont agree with the price! We didn't
sleep last night. Now my children are tired and we have only one day to
visit Damaskus!" Zwar versucht er sich herauszuwinden, aber Barbara bleibt
hartnäckig und handelt ihn auf die Hälfte (350 S.P.) herunter.
Wir haben weiter Glück und erwischen einen sehr netten taxifahrenden
Lehrer, der uns für 100 S.P. durch enge Altstadtgassen und chaotischem
Verkehr bis nahe ans römische Markttor fährt. Von dort sind
es nur noch wenige hundert Meter bis zur Omayyaden-Moschee, die auch Ungläubigen
offensteht. Vorher müssen allerdings alle weiblichen Familienmitglieder
in braune Jellabahs schlüpfen, während ich eine schwarze Pumphose
verpaßt bekomme. Vorbei am Brunnen für rituelle Waschungen
und einem auf acht Säulen stehendem, mosaikverzierten Kuppelbau betreten
wir die Moschee. Es braucht eine Weile, bis wir uns trauen unbefangen
umherzulaufen und so setzen wir uns zunächst auf einen der dicken
Teppiche und betrachten Moschee und Betende. Anschließend machen
wir einen Rundgang.
Danach
geht's dann in die Souks, wo wir den Handwerkern bei ihrer Arbeit zuschauen,
etwas Obst und Gemüse einkaufen und...meine Frauen natürlich
nicht an Schmuckständen vorbeilaufen können. Nach langer Suche
und obligatorischer Feilscherei kaufen meine drei Grazien sich je ein
Geschmeide. Hungrig kehren wir danach in einen einladenden Kebab-Grill
ein. Nur wenige Meter weiter gibt es ein Cafe, auf dessen Terrasse Syrer
sitzen und genüßlich an einer Wasserpfeife paffen. Kurzerhand
setzen wir uns dazu um einen Chai zu trinken und dem bunten Treiben in
den gegenüberliegenden Läden zuzuschauen. Da wir uns seit einer
Woche nicht mehr Zuhause gemeldet haben wird es Zeit eine Telefonzelle
aufzutreiben. Wir fragen uns durch und finden direkt neben der Königsmoschee
zwei Zellen neben einem Tabakstand. Den Blinden, der laut unserer einheimischen
Wegbeschreiber davorstehen sollte, um Telefonkarten zu verkaufen, entpuppt
sich als Besitzer des Tabakstandes. Gegen 21.00 Uhr passieren wir die
syrischen Grenze nach Jordanien, nicht ohne eine letzte Anekdote für
unser Tagebuch. Der Beamte, der das Carnet-des-passage abstempelt will
2 US-Dollar Triptik-Gebühr. Da ich dollarmäßig pleite
bin, schlägt er vor, ihm stattdessen deutsches Shampoo zu geben,
das ich ihm außerhalb des Zollgebäudes geben soll... hört,
hört! - Soll er haben.
In Jordanien klappen Grenzabfertigung (44 J.D.) und Geldumtausch recht zügig. Alles ist hier viel besser organisiert, sauberer und die Beamten sind sehr freundlich und tragen gebügelte Uniformen! Wir verbringen eine ruhige Nacht auf dem Parkplatz.
Auf
dem Weg zum Dibbeen Nationalpark sehen wir uns kurz in Jerash um. Wir
sind bei Temperaturen um 40°C doch etwas Ruinenmüde und schenken
uns die 10 J.D. Eintrittsgeld. Auf dem Markt kaufen wir Obst und Gemüse
ein und werden danach vom betörendem Hähnchenduft eines Straßengrills
angelockt. Barbara handelt den Flattermann incl. Brot und Gemüse
auf 2 J.D. runter. Verspeist wird das Hühnchen bei einem Picknick
unter schattigen Kiefern im Dibbeen-Nationalpark gleich gegenüber
dem Resthouse. Im Schatten läßt es sich bei 36°C gut aushalten,
abends wird es mit 29°C zunehmend "frischer".
Wir
treffen Peter, einen Belgier, der seit drei Monaten hier ist und auf den
Herbst wartet, um dann in seinem Mercedes 508 durch Ägypten Richtung
Südafrika zu fahren. Heute Nacht dürfen wir auf seinem Stellplatz
direkt vorm Dibbeen-Resthouse übernachten, mit dessen Besitzer er
sich angefreundet hat. Beide sind heute auf eine Hochzeit in Mafraq eingeladen,
bei der Männer und Frauen getrennt feiern und Kalaschnikowsalven
die Rolle von Kirchenglocken übernehmen. Gleich zweimal sind wir
heute von jordanischen Ausflüglern, einer Familie und einer Gruppe
Jugendlicher, angesprochen worden. Sie wollten uns fotografieren und zu
sich einladen. Die schwangere Tochter der Großfamilie traut sich
mit ihrem Mann zu uns, da sie glaubt, es bringe Glück sich mit unseren
beiden blonden Töchtern ablichten zu lassen.
Da
der Park sich heute mit Sonntagsausflüglern füllen und vermüllen
wird, starten wir zu einer Rundreise ins Yarmuk-Jordantal. Über Ajlun,
Irbid fahren wir nach El Hamma, in dessen leicht schwefeligem Warmwasser-Quellbecken
wir vergeblich Abkühlung suchen. Zwar ist "gemischter" Badetag, aber
Barbara, die nicht als einzige Frau im Pool von den Jordaniern angegafft
werden möchte, schaut uns von der schattigen Terrasse des Restaurants
zu. Mittlerweile gehen ihr die islamische Frauenrolle und die damit verbundenen
Restriktionen gewaltig auf den Keks. Etwas hilflos vertröste ich
sie auf Israel und ein Bad im Roten Meer, von dem ich ihr schon lange
vorschwärme. Auch die Kinder sind schon ganz gespannt auf die bunte
Fischvielfalt, von denen ich ihnen erzählt habe.
Weiter
geht's entlang der borderline. Unterwegs passieren wir mehrmals Schlagbäume
mit freundlichen Grenzpolizisten und bald gelangen wir ins grüne
Jordantal. Vom heißen Fahrtwind werden wir geföhnt und sind
froh, als die Temperaturen nach dem Abzweig ins Gebirge bei Dayr-Alla
langsam sinken. Entgegen unserer Planung wollen wir möglichst im
Gebirge übernachten, da die Temperaturen dort wesentlich angenehmer
sind.
In
Burma kaufen wir ofenfrisches Brot und Felafel (Fladenbrottaschen mit
Tomaten, Gurken und fritierten Kichererbsenklopsen) mit einer Riesenportion
Humus (Kichererbsenbrei), die wir gleich am Straßenrand verdrücken.
Hier begegnen wir beim Einkaufen noch mal der jordanischen Familie vom
Vortag - wieder lädt man uns freundlich ein. Wir wollen aber zurück
zum Dibbeen-Restaurant, wo wir noch ein wenig mit Peter klönen, bevor
dieser vom Restauranbesitzer zum "Herrenabend" abgeholt wird.
Heute steht das Tote Meer auf unserem Besuchsprogramm. Wir hatten zwar geplant am Death-Sea Resthouse zu übernachten und im Toten Meer zu baden, aber es ist einfach zu heiß hier. Wir finden, keine 200m vom Death-Sea Resthouse entfernt, eine Möglichkeit bis direkt ans Ufer des Toten Meeres zu fahren und tauchen vorsichtig in die Salzbrühe ein. Fast bis zu den Knien versinken wir im Schlamm, der in den umliegenden Kurhotels (Dead Sea Spa Hotel, Dead Sea Saltland Village) zu Therapiezwecken Verwendung findet. Marie hält's nur ganz kurz in der aggressiven Lake aus, bevor ihre aufgekratzten Mückenstiche sie ins Trumle unter die Dusche treiben.
Entlang
des östlichen Meeresufers gibt es viele kleinere dicht bewachsene,
palmenbestandene Wadis. Eins der Wadis, dessen Süßwasserbach
sich ins Tote Meer ergießt, wandern wir hinauf um es uns anzusehen.
Im warmen Wasser des Baches sitzend müssen wir immer mal wieder die
Beine spreizen um den Müll an uns vorbeischwimmen zu lassen: Coladosen,
Pampers, Tomaten, ... - ätzend! Ganz anders sieht's im wenige km
entfernten Wadi Mujib aus, in das man von der Straßenbrücke
einen Blick werfen kann - das Wasser ist kühl, klar und sauber. Da
niemand ohne Sondergenehmigung in das abgesperrte Naturreservat hineindarf,
gibt's hier auch keinen Müll. Keine 200m nachdem der Ontaro das Reservat
verlassen hat, entdecken wir einen schilfgesäumten Badeplatz, wo
wir zum erstenmal alle gemeinsam im knietiefen Wasser baden gehen. Kleine
Putzer-Fischchen, die den Grund nach Algen abgrasen, knabbern auch uns
versehentlich an. Unsere heutige Reise endet auf dem 720 m hoch gelegenen
Parkplatz der Moseskirche am Mt. Nebo in wunderbarer Kühle.
Gerade
als wir uns vom Parkplatz zur Moseskirche aufmachen wollen, treffen wir
auf eine bunt zusammengewürfelte Reisegruppe, der wir uns anschließen,
da der begleitende Pfarrer eine Messe in der byzantinischen Basilika abhalten
will. Anschließend können wir uns erkenntlich zeigen, indem
wir einer gestürzten, hochhackigen Italienerin aus der Gruppe mobilattechnisch
beistehen. Vom Hügel, auf dem die Moseskirche steht, reicht der Ausblick
- wenn die Sicht ausnahmsweise mal klar ist - bis zum Toten Meer. Weiter
geht's zur Mosaikstadt Madaba, wo wir uns in der griechisch-orthodoxen
St. Georgskirche die berühmte Mosaikkarte Palästinas ansehen.
Zwar sind nur noch kleinere Fragmente von der ursprünglich einmal
6x15,5m großen Karte übrig, deren Detailgenauigkeit ist aber
verblüffend.
Danach
schlägt unser Reiseführer einen Ausflug zu den heißen
Quellen von Hammamet Ma'in vor. Bevor man jedoch die sich kaskadenförmig
hinunterstürzenden Quellen zu Gesicht bekommt, ist am Taleingang
eine Eintrittsgebühr zu zahlen. Die vom Reiseführer in Aussicht
gestellte Abkühlung hatten wir uns irgendwie anders vorgestellt...
der Swimmingpool ist geschlossen... eine heiße Dusche unterm Wasserfall
bei 37°C Außentemperatur ist auch nicht unbedingt unser Ding...
der hoteleigene Pool des vollklimatisierten Ashtarin kommt bei 6 J.D.
Eintritt pro Nase auch nicht in Frage. Wir verlassen die Felsschlucht
und Theo verbucht den Abstecher unter "teures landschaftliches Erlebnis".
Weiter geht's die Serpentinenstraße zum Wadi Mujib hinunter in den
Grand-Canyon Jordaniens mit faszinierenden Ausblicken. Erstmals haben
wir Probleme einen Übernachtungsplatz zu finden. Theos Nachfrage
am Police Office in Kerak begegnet man, ebenso wie auf dem Parkplatz einer
Moschee, recht ungastlich. Erst außerhalb finden wir, nachdem wir
Anwohner freundlich fragen, ein Plätzchen in einem Neubauviertel.
Bevor wir heute nach Petra aufbrechen bummeln wir noch mal durch die Souks Keraks, komplettieren unsere Schulheftsammlung und essen etwas. Die Hitze (36°C) verändert bzw. intensiviert Gerüche, die ins fahrende Auto dringen. Dieselqualm vorausfahrender Autos ist fast unerträglich, Schaf- bzw. Ziegenherden riecht man, bevor sie man sie sehen kann und auch die staubtrockene Erde hat ihren eigenen Geruch. Auf dem Touribusparkplatz Petras, direkt neben der Einfahrt zum Forum-Hotel Camping, finden wir ein Plätzchen, wo wir sogar unsere Campingstühle unter schattenspendenden Büschen aufstellen können. Abends promenieren wir noch die 1/4 Tourimeile unterhalb des Ortes den Hang hinauf und unsere Kinder bleiben fasziniert an einem Stand hängen, an dem kleine Fläschchen kunstvoll mit Sandmotiven gefüllt werden. Wir kommen mit dem Iraker, dem der Stand zwar gehört, der aber Standgebühr an den Ladenbesitzer zahlt, ins Gespräch. Als Akademiker kann er im Irak seine Familie nicht ernähren, weswegen er saisonal hier arbeitet. Da der Laden mittlerweile geschlossen hat, unsere Kinder aber noch zwei Fläschchen nach ihren eigenen Vorstellungen (keine Kamele sondern geometrische Formen) gefüllt bekommen, geschieht dies im Licht unserer Taschenlampe.
Heute stehen wir ausnahmsweise mal sehr früh auf, um noch vor Sonnenaufgang zu einer anstrengenden Besichtigungstour Petras zu starten. Durch die Felsschlucht des Siq geht es zum Khazne Faraun, dem Schatzhaus des Pharao. Kurz danach klettern wir im kühlen Morgenrot zum Zibb Atuf (High Place) hinauf und genießen den atemberaubenden Ausblick. Unser Abstieg führt uns durch die Farasa-Schlucht zum Resthouse. Einen weiteren dreistündigen Auf- und Abstieg zum Ed-Der schenken wir uns, angesichts der kaum auszuhaltenden Mittagstemperaturen von über 40 °C. Auf dem Rückweg, vorbei an Kolonnadenstraße und Theater, begegnen uns, als wir bereits auf dem Zahnfleisch gehen, busweise Tourikarawanen, denen eine Besichtigungstortour in sengender Affenhitze bevorsteht. Wir sind aber, trotz aller Anstrengung und des hohen Eintrittspreises, von dem was wir gesehen haben, total begeistert! Mittlerweile hat sich ein Pickup-Womo zu uns gesellt - Thomas und Hanna mit ihren Kindern Sylvester und Valentin. Während die Kinder sich freuen, endlich wieder Spielkameraden gefunden zu haben, freuen wir uns auf einen anregenden Klönabend. Es gelingt den beiden, uns mit einem Virus zu infizieren - Hanna arbeitet seit 5 Jahren als Ausslandlehrkraft an einer deutschsprachigen Schule in Kairo!
Wir
nehmen uns einen Tag Urlaub, den wir im Schatten mit unseren Womonachbarn
verbringen. Nur zwecks Proviantversorgung treibt es uns ins Dorf um Grillgut
zu besorgen. Verdutzt müssen wir feststellen, dass man Hähnchen
hier wegen der Hitze nur "frisch" und nicht gekühlt oder etwa (tief)gekühlt
kennt. Die Aufgabe zwei lebende Hühner auszusuchen und deren
Schlachtung "beizuwohnen" übernehmen die Frauen, während Gudrun
und ich uns verdünnisieren. Wieder gemütlichen Abend verbracht.
Momentan
herrscht Touriflaute in der faszinierenden Wüstenlandschaft des Wadi
Rum - die offiziellen Preise für Standardtrips ins Wadi mit Geländewagen
oder Kamel, die auf einer Liste im Touri-Office aushängen, sind Makulatur.
Mehrmals spricht uns ein Beduine vorm Resthouse an, dessen Landi ganz
hinten in der Allradwarteschlange steht und uns einen "very special price"
anbietet. Wir sondieren erstmal die Lage, finden ein älteres französisches
Paar das mit dem Rucksack unterwegs ist und beschließen einen gemeinsamen
Trip. Bei einer Fahrt durchs Dorf spricht uns der Beduine noch mal an
und wir handeln ihn auf 25 J.D. für den 4 Stunden-Trip herunter.
Morgen 6.15 Uhr soll's losgehen, allerdings nicht vom Resthouse, sondern
ab seinem Dorfdomizil. Übernachtet auf dem Parkplatz vorm Resthouse.
Ungefrühstückt
aber mit Proviantrucksack ausgerüstet schälen wir uns gegen
5.45 Uhr aus den Federn, laden die Franzosen ein und auf geht's. Stirnrunzelnd
besteigen wir den Uraltlandi, dessen glatte Reifen offensichtlich noch
vom Erstausstatter stammen. Aber unser Fahrer malt routiniert auch durch
tiefere Sandfelder und bringt uns an einige wunderschöne Plätze.
Neben Petra gehört das Wadi Rum landschaftlich zu den Höhepunkten
unserer Jordanientour! Gemeinsam mit den Franzosen zockeln wir mittags
Richtung Aquaba-Camping, wo das Thermometer nachmittags auf über
45°C schnellt. Glücklicherweise erweist sich meine Befürchtung
auch das Rote Meer könnte Badewannentemperatur haben als falsch.
Ich schnorchle abwechselnd mit Gudrun, Marie und Barbara durch die faszinierende
Korallenwelt.
Während
Gudrun auch schon alleine ein Stück vorausschnorchelt, traue ich
Marie das noch nicht zu. Wenn sie Wasser in die Taucherbrille bekommt,
braucht sie sofort eine Rettungsinsel. Zwischen den bunten Anemonen und
engen Korallenschluchten entdecken wir sogar einen Feuerfisch vor dem
wir respektvoll Abstand halten. Stundenlang halten wir es in der Unterwasserwelt
aus. Sonnenuntergangsromantik will abends angesichts des öden, vegetationslosen
Campingplatzes unterm Schattendach neben herumliegenden Fischköpfen,
Hühnchenknochen und Plastiktüten und heißen Wind nicht
so recht aufkommen. Einschlafen können wir nur mit nassen Klamotten
und mehrmaliger nächtlicher Nachwässerung, was ein wenig Abkühlung
verschafft. Gudrun am anderen Morgen: "Nach gestern werde ich nur noch
schwitzen bei Temperaturen über 32°C.
Glück
gehabt - gerade noch geduscht und unsere Wasservorräte ergänzt
bevor es aus der Wasserleitung des Campingplatzes nur noch herauströpfelt. Schnorcheln
geht heute früh nicht, da das Rote Meer Ebbe hat und man, ohne sich
an den Korallen zu ratschen, nicht hinausschnorcheln kann. Also machen
wir uns auf zum Grenzübergang wo diesmal der jordanische Grenzbeamte
versucht uns übers Ohr zu hauen. Er will 10 J.D. zuviel für
unsere Ausreise kassieren. Hartnäckig machen wir ihm klar noch vor
Ablauf der Meldepflicht (vor Ablauf 2. Aufenthaltswoche) auszureisen und
nicht bereit sind zu zahlen - klappt auch. An der israelischen Seite erwarten
uns auffallend junge Grenzbeamte/innen, die einen betont coolen Eindruck
machen. Obligatorisch sind Designersonnenbrille, strahlend weiß
gestärkte Hemden und lässig baumelndes Motorolla-Funkgerät.
Geschlagene 30 Minuten quetscht man uns aus über woher, wohin, warum...
ernsthaft durchsucht wird aber nichts.
Erstes
Anlaufziel in Eilat ist das Unterwasseraquarium, wo wir uns auch gleich
mit israelischem Preisniveau vertraut machen können (200 Shekel,
grob umgerechnet etwa 100,-DM!!!). Nicht weniger erschreckend die geforderten
120 Shekel für den Campingplatz-Manshit. Kurzerhand fragen wir an
der Tauchschule des Ambassadorhotels, ob wir auf dem palmbestandenen Parkstreifen
vorm Hotel übernachten können. No Problem! Wir schauen uns das
Ambassador an, von deren Pool die Kinder und wir angetan sind, kaufen
eine Telefonkarte um mit den schmachtenden Schwieger/Eltern zu telefonieren
(Vorwahl ist nicht 0049 sondern, abhängig von der gekauften Telefonkarte
- z.B. 01449). Als wir am Minipool der Tauchschule vorbeikommen fragen
die Kinder die Receptionistin ob sie gegen Gebühr ein Bad im Pool
nehmen können. Ihre Antwort: "You're welcome, it's free." - Yappadappadu!!!
Der restliche Abend, den wir zwischen dem im Pool umherwuselnden Reinigungsroboter
verbringen, ist gerettet!
Gleich nach dem Frühstück runter zur publik-beach, 3 Schritte rein und untergetaucht - Marie taucht schreiend auf, hat sich total erschreckt. Sie steht mittendrin in einem Schwarm bunter Fische, darunter auch riesengroße Papageienfische, die direkt vor der Taucherbrille vorbeischwimmen. Gleich nebenan liegt das durch Bojen abgetrennte Coral Beach Nature Reserve an dem wir entlangtauchen und zwischen den Korallenriffen eine bunte Fischvielfalt erspähen. Wir können uns gar nicht satt sehen an der Unterwasserwelt.
Nachmittags
brechen wir auf zum Red Canyon, wo wir kurz rasten, fahren dann weiter
durch den Krater Maktesch Ramon nach Ein Advat zum Observation Point.
Einen Übernachtungsplatz finden wir auf dem Parkplatz der Ben Gurion
Begräbnisstätte. Während es bereits dunkel wird wandern
wir noch über den kleinen Rundweg durch den Park zu den Gräbern
und genießen die phänomenale Aussicht in die Schlucht und auf
Ein Mor. Während wir vorm Bus sitzen und die abendliche Kühle
genießen, tauchen aus der benachbarten Kaserne kleine Soldaten/innen-trupps
auf, die zur Nachtübung ausrücken.
Kurzer-
sehr kurzer Zwischenstop in Ein Bokek (41,5°C), der mondänen Badeoase
am Toten Meer, wo wir ein letztes Pökelbad nehmen und die Süßwasserduschen
am Strand ausgiebig testen. Abkühlung verschafft uns erst der Besuch
Ein Gedis, wo wir nach kurzer Besichtigungstour stundenlang in einer kühlen
Gumpe unterhalb des Shulamit-Wasserfalls baden. Zum übernachten fahren
wir über Arad zum westlichen Zugang von Massada. Von hier wollen
wir Morgen gegen 5.00 Uhr zur Festung hinaufklettern, um den romantischen
Sonnenaufgang überm Toten Meer zu erleben. Als Theo vor 20 Jahren
mit dem Rucksack hier war, konnte man noch nachts oben auf dem Felsen
in illustrer Runde übernachten. Vor einigen Jahren ist aber wohl
jemand betrunken vom Felsen gestürzt. Seitdem ist die Anlage zwischen
5.15 - 17.00 Uhr abgesperrt.
Wir lassen die Kinder schlafen und kommen nach nur 15 Minuten naßgeschwitzt am Westtor an. Auf einem Wachturm am Lager sitzend beobachten wir den Sonnenaufgang und die unter uns sich den Berg hinaufquälenden Touristen. Während wir an den einzelnen Attraktionen der Festung verharren, lauschen wir den Vorträgen amerikanischer, französischer und deutscher Reiseleiter und erfahren einiges über Massada was uns unser Reiseführer verschweigt. Wieder zurück am Bus müssen wir unsere Kiddis zum Frühstück erst noch wecken.
Theos
Befürchtung, Probleme bei der Stellplatzsuche in Jerusalem zu bekommen
trifft prompt zu. Es gibt keinen Campingplatz und der Kibbuz Rabat Rahel
(Übernachtungstipp einer Teilnehmerin einer geführten Womo-Tour) duldet
nur zahlende Gruppenreisende (eingeführt von Tour-Veranstaltern?!).
Ein Taxifahrer, der uns am Hotel des Kibbuz auf unser Womo anspricht gibt
uns den Tip es mal am Mount-Herzl unmittelbar vorm Museum, unweit des
Yad VaShem zu probieren - nicht der Hit. Wir sehen uns das Yad VaShem
an, dessen Text- und Fotodukumentation der Nazizeit im Historischen Museum
uns sehr beeindruckt und wir müssen den Kindern viele Dinge erklären.
Irgendwann
wird es Marie dann einfach zuviel und sie möchte zurück zum
Womo, wo uns erneut ein Taxifahrer aufs Womo anspricht und meint der Parkplatz
am Israelmuseum eigne sich als Übernachtungsplatz. Kurz hingefahren
- zur Not werden wir dort übernachten, der Stellplatzhit ist es allerdings
nicht, da zu weit von der Altstadt entfernt. Schließlich stellen
wir uns einfach auf den Parkstreifen am Hilton-Hotel, nur 3 Gehminuten
vom Jaffator entfernt. Für die nächsten drei Tage haben wir
eine ideale Ausgangsbasis für die Erkundung der Altstadt und deren
näherer Umgebung gefunden. In der Abenddämmerung schlendern
wir durch die Souks, vorbei an der Sicherheitskontrolle zur Klagemauer,
wo wir lange sitzenbleiben, eingetaucht in die einzigartige Atmosphäre
dieses Platzes. Statt Abendbrot gibt's abschließend eine Vesper
an einem Felafel-Imbiss am Damaskustor.
Heute starten wir zur üblichen Touri-Besichtigungstour: Tempelberg mit Felsendom und El Aksa-Moschee, Via Dolorosa, Grabeskirche. An der Via Dolorosa kehren wir ins Österreichische Hospiz ein, wo es sich bei einem Kaffee mit warmen Apfelstrudel und Schlagobers angenehm relaxen läßt. Man klingelt unten an der Tür, worauf die Schwestern den Türöffner betätigen und man ins Garten-Cafe über den Dächern der Altstadt gelangt.
Mit
der Buslinie 75 ab Damaskustor fahren wir heute zum Ölberg hoch,
steigen an der Paternoster-Kirche aus und laufen zum Hotel Seven Arches,
von wo man einen tollen Überblick über die Altstadt Jerusalems
und den Felsendom hat. Zu Fuß geht's zum Jüdischen Friedhof,
wo wir uns Schindlers Grab anschauen. Danach sehen wir uns noch den Garten
Gethsemane und die Kirche der Nationen an. Zurück am Trumle kommt
Theo durchs offene Ausstelfenster hindurch mit einem Mann und seiner Tochter
ins Gespräch. Bernd ist Organisator einer Hilfsorganisation "Youth
with a mission" in Addis Abeba und hat Sarah eingeladen eine Woche mit
ihm in Israel zu verbringen. Gemeinsam gehen wir noch auf ein Bier in
die Altstadt in ein neu eröffnetes Restaurant, gleich hinterm Tourist-Office
die Gasse links rein. Wir sind übrigens eingeladen ihn mal zu besuchen...
mal sehen ... Syrien, Jordanien, Saudi-Arabien, Djibouti und schon sind
wir da!
Vormittags machen wir einen kurzen Fotostop an der Knesset und dem Schrein des Buches bevor wir nach Bet Shean fahren. Dort hält es uns aber nicht lange und wir entfliehen der Hitze des Jordantales und fahren hinauf in die kühleren Gilboa Berge, wo wir die Nacht auf einen der zahlreichen Picknickplätze verbringen. Von einigen Aussichtspunkten entlang der Gilboa-Bergstraße hat man einen guten Ausblick auf die riesigen künstlichen Wasserrückhaltebecken und kreisrunden Bewässerungssysteme mit denen die Ebene landwirtschaftlich kultiviert wird.
Tagesziel
ist der landschaftlich wundervoll gelegene See Genezareth. Über Tiberias
geht es zu einigen der berühmten religiösen Wallfahrtsorte wie
z.B. dem Beatitude Monastry (Kirche auf dem Berg der Seligpreisungen),
der Tabgha-Kirche (Ort der Brotvermehrung) dessen Mosaik mit dem "Brotkorb
und den zwei Fischen" weltbekannt ist, oder der Peterskirche aus schwarzem
Basalt. Auf der Suche nach einem Stellplatz umrunden wir den See Genezareth
bis auf die Höhe von Ein Gev, wo wir uns auf dem Campingplatz des
Kibbuz verproviantieren und obligatorische Telefongespräche führen.
Erst nach einiger Suche, bei der wir einige der kostenpflichtigen Badeplätze
(60-80 Shekel) abgeklappert haben, finden wir ein idyllisches Fleckchen
direkt am See, an dem wir uns niederlassen. Die schlaglöchrige Piste
auf der wir zum Seeufer schaukeln ist eng mit Büschen bestanden,
was zu Souvenirs auf den Acrylglasscheiben führt. Nach unserem Grillfest
veranstalten wir bei Mondschein und Blick auf das erleuchtete Tiberias
eine Nacktbadenacht im spiegelglatten See.
"Puffertag" hier mit baden, lesen ...verbracht.
Heute
wollen wir die Golanhöhen erkunden. Zuvor bestätigen wir telefonisch
vom Kibbuz Ein Gev noch unseren Rückfahrtstermin bei der Poseidon
Lines. Unsere Fahrt führt uns zu den Quellen von Hamat-Gader, dessen
stolze Eintrittspreise uns aber abschrecken. Nur wenige hundert Meter
weiter entdecken wir einen Fischzuchtbetrieb der St. Peters Fische züchtet,
die dann in den Töpfen der Seeuferrestaurants in Tiberias landen.
Wir schauen der Fischzerlegung zu, kaufen Fisch und frischen unsere Wasservorräte
auf. Überall im israelisch-syrischem Grenzgebiet finden wir sogenannte
"Shelter", Hinweisschilder auf Schutzstände und eingezäunte,
verminte Gebiete. Wir fahren an einer zerschossenen Moschee und versteckten
militärischen Stellungen mit rollbereiten Panzern vorbei. Die vom
Obstanbau beherrschte Landschaft rund um den Birket-See ist sehenswert,
der Badespaßwert des Sees enttäuschend.
Unwirsch
werden wir vom Parkplatzwächter an den Banias-Wasserfällen des
Parkplatzes verwiesen, da die Anlage schließt. Der Familienrat entscheidet
noch mal zur Zeelon Beach zurückkehren, um dort ein weiteres Mal
zu übernachten. Schon von weitem sehen wir Rauchwolken über
unserem Weg zur Zeelon Beach und kurze Zeit später taucht ein allradgetriebenes
Mini-Feuerwehrfahrzeug auf. Während die Feuerwehr eifrig löscht
wählen wir eine alternative Holperstrecke zum Strand, bruzzeln den
St. Peters Fisch und wässern uns anschließend im See-Genezareth.
Wehmütig
verlassen wir endgültig den See Genezareth, einen der schönsten
Stellplätze unserer Reise. Auf der 89 rollen wie über
Safed Richtung Rosh HaNikra, wo wir uns die schneeweiße Steilküste
und die vom Meer ausgespülten Grotten an der Grenze zum Libanon anzusehen.
Nur wenige km Richtung Akko geht die Steilküste in Sandstrand über
und wir legen eine kurze Strandpause ein. Angesichts der mordsmäßigen
Brecher die an den Strand klatschen versteht man, warum baden nur in abgesteckten,
bewachten Strandabschnitten erlaubt ist. In Akko bummeln wir durch die
Altstadt, vorbei an Souks zum malerischen Fischereihafen, wo wir den Sonnenuntergang
genießen. Außerhalb der alten Stadtmauer Akkos, nördlich
der Burj Kurajlin finden wir, direkt an der Uferpromenade einen Stellplatz
für die Nacht. Wir sitzen noch lange auf einer Promenadenbank und
schauen zu, wie fliegende Händler mit dreirädrigen Karren geschmorte
Maiskolben, gebratene Äpfel, Sonnenblumenkerne, Felafel... feilbieten.
Nachdem
wir uns kurz das Hafengelände angesehen haben, um auszuspähen
wo wir morgen ablegen werden, klappern wir die Badestrände nördlich
von Haifa ab. Fündig werden wir erst am Hof HaKarmel-Strand, wo wir
auf einer Rasenfläche unter schattigen Bäumen sitzen mit Blick
auf Strandpromenade, Süßwasserduschen und Meeresrauschen. Wieder
ist schwimmen für die Kinder schwierig, aber es macht fast genausoviel
Spaß sich in die anrollenden Wellenbrecher zu stürzen. Theo,
der zwischendurch im Womo etwas zu Mittag für uns bruzzelt, wird
von zwei zivilen Zollbeamten angesprochen, die sich für unsere Fahrzeugpapiere
und die Stempel in den Reisepässen interessieren???
Irgendwie kriegen wir die Kurve nicht und kommen erst spät los. Wir schaffen es angesichts der rush hour Haifas gerade noch rechtzeitig die obligatorischen 2 Stunden vor Abfahrt am Hafen einzutrudeln. Wir sehen das vermutlich etwas eng, denn während wir vom Achterdeck dem Verladen der letzten Fahrzeuge zuschauen fährt kurz vor knapp ein 4x4 Fiat-Womo vor. Theo: "Ich glaub das Auto kenne ich, kommt aus Emsdetten." Er schickt unsere Kids los um die Lage auszukundschaften. Tatsächlich...stimmt! Die Emsdettener (Michael, Ricarda, Paul und und die neunjährige Roxana) sind genau andersrum über Tunesien, Lybien, Ägypten-Sinai nach Israel gefahren. Wie sich herausstellt kennt Barbara als ehemalige Emsdettenerin Michael um drei Ecken. Für Gesprächsstoff während der dreitägigen Überfahrt ist also gesorgt.

Obwohl
wir zwischendurch die Gelegenheit nutzen und Landgänge auf Zypern
und Rhodos machen nervt die Inselhüpferei allmählich doch, da
sich dadurch die Fährfahrt wie Kaugummi zieht. An Bord vertreiben
wir uns die Zeit mit klönen, lesen und Backgammon, was Roxana unseren
Kindern beigebracht hat - wird in unsere Womo-Spielesammlung aufgenommen.
Der Anblick Santorinis vom Meer ist zwar wunderschön, aber angesichts
der vielen ankommenden Schiffe, die ne Menge Rucksackis ausspucken, ist
die Insel wohl auch kein Geheimtip mehr -entsprechend sind die Preise
in den Haventavernen wie wir bei Oktopus, Kalamari ... feststellen müssen.
In Kardamili steuern wir geradewegs auf "unseren" Supermarkt zu, um uns
mit Mani-Oliven und Olivenöl fürs kommende Jahr einzudecken.
Wir sind gespannt wie Agios Nikolaos sich seit 1993/94 verändert
hat und wie voll es dort zur Hauptferienzeit ist. Überrascht stellen
wir fest, dass das Dorf abends zur Füßgängerberuhigten
Zone erklärt wird und sich am Strand eine Taverne und ne inzwischen
geschlossene Disco breitgemacht haben. Bei unserer Stellplatzsuche stoßen
wir auf Jägerzaunmentalität und territoriales Anspruchsdenken
eines unserer Womonachbarn. Niemand stürzt sich hier kommunikativ
ausgehungert auf Neuankömmlinge zum Pläuschen. Bei handgeschnitzten
Pommes, Souvlaki etc. lassen wir den Abend in einer Hafentaverne ausklingen.
Unser Urlaub geht dem Ende entgegen und wir genießen es unter Tamarisken den ganzen Tag zu faulenzen. Es ist windig und wegen der hohen Wellen müssen wir uns unseren Schnorchelausflug leider abschminken. Über die Kinder (Wo wart ihr, wollt ihr hin?) ergibt sich eine Einladung zu Womo-Nachbarn und wir fallen erst spät ins Bett.
Auch in Elea gibt's inzwischen eine Strandkneipe, ansonsten hat sich wenig verändert. Wir bleiben unserer Stammtaverne treu, um bei Ouzo meze und Amstelbier in Erinnerungen zu schwelgen. Vorm zu Bett gehen machen wir noch eine kleine Vollmondtour am Strand.
Erstmals hat Theo unsere Urlaubsplanung bis zum allerletzten Sekündchen ausgereizt und mir ist unwohl dabei die ganze Nacht non-Stop durchfahren zu müssen, um gegen 9.30 Uhr rechtzeitig zur Konferenz zu erscheinen. Während ich schlafe fährt Theo bis gegen 2.00 Uhr, dann löse ich ihn bis zuhause ab, wo wir sogar noch 3 Stunden Schlaf bekommen.
© 3/2000 Theo und Barbara Engbrink
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