Korsika 1991Wandlung zum FamilienmobilMit restauriertem Vorzelt und 2. Schlafplatz ging es im September 1991 Richtung Korsika. Anfangs purzelte Marie (11 Monate) zwar prompt aus dem Bett, schlief aber für den Rest des Urlaubs dann angeschnallt seelenruhig die Nächte durch. Für die Mühen bei der Restaurierung des Vorzeltes entschädigten uns die vielen schattenspendenden Stunden in sengender Mittagssonne und die stimmungsvollen Abende im romantischen Schein einer Petroleumlampe unter unserem rot-weiß gestreiften Vorzelt. Offen gesagt, die vielen Camper, die uns wegen unseres knuffigen Vorzeltes ansprachen, (das viele an Marktstände von früher erinnerte), trösteten ungemein über gewisse Innenzeltwasserstände bei Dauerregen hinweg. Für uns wurde Korsika zu vier unvergesslichen, erlebnisreichen Wochen, wozu auch eine Panne nicht unerheblich beitrug. Kaum zehn Tage auf Korsika, sorgte unser Bus im Gebirge durch knirschende Geräusche in den Kurven für etwas Abwechslung vom langweiligen Strandleben. Der VAG-Mensch im Ajazzo erklärte sich freitags um 14.00 Uhr erst nach längerem Zureden bereit, eine Diagnose zu stellen. Beide hinteren Radlager waren hin! Trotz taktischen Einsatzes unserer quengelnden Kinder und sämtlicher Überredungskünste ließ sich der VAG-Mann nicht erweichen. Reparieren könne er erst am Montag und Werkzeug verleihen würde er nicht! Wir gelangten schließlich an eine Hinterhofwerkstatt, die sich auf Strandbuggies, Käfer etc. spezialisiert hatte. "Der Patron ist zwar nicht da, aber Werkzeug und Wagenheber liegen dort hinten... Sie können ja schon mal anfangen." Gesagt, getan... mittlerweile war ich ölverschmiert, und einer der Werkstattkunden war in ein intensives Gespräch mit meiner Frau verwickelt. Sie spricht fließend Französisch, ich kaum ein Wort. Der Mann war total begeistert von unserem Bus, kannte unser Problem und ging mir spontan zur Hand. Da der passende Abzieher fürs Hinterrad fehlte, fuhr er kurzerhand zur VAG-Werkstatt: "Ich hab da einen guten Freund!" Etwa um 17.00 Uhr tauchte der Garagenbesitzer auf, und mich beschlich eine leise Nervosität... Ich hatte keine große Lust, bis Montag auf dem tristen Hinterhof im aufgebockten Bus zu verbringen! Der Patron aber begutachtete euphorisch unseren Bus, tröstete die weinende Marie, zeigte uns stolz seine beiden Oldies (Käfer Cabrio, Porsche Targa) und blieb bis 20.00 Uhr, als unser Bus endlich wieder auf allen Vieren stand. Unsere Frage: "Was sind wir Ihnen schuldig?" wurden vom Garagenbesitzer und dem Herrn mit den guten VAG-Kontakten dankend, aber bestimmt zurückgewiesen. Nun doch etwas verunsichert, achteten wir die restlichen zweieinhalb Wochen unseres Korsikaaufenthaltes penibel auf jedes ungewohnte Geräusch unseres Bullis und wählten unsere weitere Reiseroute doch etwas weniger gebirgig aus. Hart erkämpft unser 'Traumstrand... Badeparadies an der Plage d'Erbaju Zum Glück - denn so entdeckten wir an der Straße von Sartene nach Bonifacio unseren Traumstrand! Auf der Suche nach einem Badeplatz sahen wir, wie ein Wohnmobil aus einem Sandweg kam, den ein Weidezaun versperrte. Wir entschlossen uns, den Weidezaun zu passieren (nicht ohne ihn wieder zu schließen!) und den zahlreichen Reifenspuren zu folgen. Uns erwarteten 4 km tief ausgewaschene, staubige Sandpiste, die so schräg war, dass alles durch den Bus flog, was nicht niet- und nageltest war. Zu guter Letzt zerfetzte ich uns auch noch unsere unterhalb der Stoßstange befestigte Nebelschlußleuchte. Endlich erreichten wir die einsame, völlig unerschlossene "Plage d'Erbaju". Fast eine Woche lang hielt uns der wunderschöne 3km lange und 50m breite Sandstrand an der Mündung des Ortoli gefangen. Hier erwischte uns auch ein Gewitter (das mit den Innenzeltwasserständen), begleitet von heftigen Sturmböen. Unser Vorzelt wurde so gebeutelt, dass wir die vordere Persenning zunächst vor dem großen Winddruck zu schützen versuchten, indem wir uns dahinter stellten. Erst als wir patschnass waren, kam uns die rettende Idee, die Teleskopstangen als Abstützung zu benutzen. Zumindest blieb uns so erspart, was unseren italienischen Nachbarn passierte... denen blies der Sturm das Igluzelt davon! Bevor wir im Mai/Juni '92 zum Inselhüpfen auf die ionischen
Inseln Griechenlands fahren, wird für alle Fälle die dürftige
Imprägnierung des Vorzeltstoffes verbessert. |